"Namaste!"
Noch so ein Wort aus dem Sanskrit... Es bedeutet sinngemäss:
„Ich grüße und verehre das Göttliche in Dir!“
Eine wohlbekannte Grussformel unter Tantrikern. Sie enthält die Esssenz des Tantra: „Ich grüsse das Götlliche in Dir, welches mit dem Göttlichen in mir idententisch ist und weiss somit, dass wir beide eins sind.“
Das klassische (hinduistische) Tantra wurde geheim gehalten und nur mündlich von einem Lehrer, einer Lehrerin an die Schüler weitergegeben:
Es heisst, Tantra war eine aufmüpfige, querdenkerische Untergrundströmung, die von Angehörigen vieler offizieller Schriftreligionen praktiziert wurde, von Hinduisten, Buddhisten und Sikhs, ja sogar von muslimischen Sufis und von nestorianischen Christen. Tantra galt als schneller und damit auch gefährlicher Weg zur Erleuchtung. Tantrikas wurden mitunter übernatürliche Kräfte nachgesagt, darum wurden sie von manchen gefürchtet. Im Tantra gibt es keine Regeln, keine Vorschriften. Dem rechtgläubigen Hinduisten wurden vielerlei Verhaltensregeln auferlegt, um im nächsten Leben belohnt zu werden: kein Fleisch und kein Fisch essen, keine Drogen und kein Alkohol, sexuelle Enthaltsamkeit… Die Tantrika haben diese Reinheitsgebote umgekehrt: sie haben in Ritualen Fisch und Fleisch genossen, sich an Drogen und Wein berauscht und Maithuna, den ritualisierten Geschlechtsakt zelebriert. Dass alles nicht (nur) zum Vergnügen, sondern als Wege zur Erleuchtung, nicht im Jenseits, sondern möglichst schon in diesem Leben. Nicht durch Askese und Enthaltsamkeit, sondern durch die totale Bejahung aller menschlicher Erfahrungen und durch Hingabe an das Leben. Denn da alles Göttlich ist, kann alles als Weg genutzt werden, um die Einheit zu erkennen. (Das lässt erahnen, warum das Tantra als gefährlich galt.) Aber damit nicht genug, die indische Gesellschaft war damals in Kasten eingeteilt, ein vornehmer Brahmane (Schriftgelehrter) stand über einem Unberührbaren, Männer standen über Frauen. Die einzelnen Kasten vermieden nach Möglichkeit den intensiven Kontakt zu den anderen Kasten. Bei den Tantrikas verkehrten (im wahrsten Sinne des Wortes) alle Kasten miteinander, Frauen und Männer waren absolut gleichwertig. Oft waren sogar vor allem Frauen Lehrerinnen und Meisterinnen und leiteten Rituale an.
Die wahren Ursprünge des Tantra mögen weitaus älter sein. Sie liegen in einer matriarchalen Vorzeit, im Industal, als Schrift noch nicht existierte und die grosse Göttin noch verehrt wurde.
Nachdem diese hochentwickelte friedvolle Zivilisation von kriegerischen arischen Reitervölkern unterworfen wurde, lebte ihre Weisheit im Untergrund weiter. Auch der Respekt für die Frau und die Verehrung der grossen Göttin wurden weitergeführt. Sie wird in vielen Formen verehrt und erscheint als die furchterregende Kali, die siegreiche Muttergöttin Durga, als mitfühlende Tara… und als Shakti, in liebender Hingabe mit Shiva vereinigt.
Shakti ist der weibliche Aspekt Gottes, ist kosmische Energie.
Shiva ist der männliche Aspekt Gottes, ist kosmisches Bewusstsein.
Und natürlich ist Gott nicht getrennt von sich selber, sondern ist eins: Shiva und Shakti sind auf ewig in tiefer Liebe umschlungen.
Alle Frauen sind eine Verkörperung von Shakti, und so kann ich in allen Frauen die Göttin verehren oder auch in einer Frau alle Frauen.
Alle Männer sind eine Verkörperung von Shiva, uns so kann ich in allen Männern Shiva verehren oder auch in einem Mann alle Männer.
Eine wundervolle Möglichkeit, Shiva oder Shakti zu verehren, ist die Tantramassage

